Archive for April, 2010

Adam Smith

Saturday, April 17th, 2010

“By pursuing his own interest, the individual promotes that of the society more effectually than when he intends to promote it”

Herr Smith hat sich geirrt. Da gibt es nichts zu interpretieren. Der Alltag in China ist der lebende Beweis, und nirgendwo ist das so offensichtlich wie im Strassenverkehr. Gestern abend: Vierspurige Strasse, zwei Spuren in jeder Richtung, ein Taxi haelt am Strassenrand in oestlicher Richtung, genau vor einer Einfahrt. Es haette zwar drei Meter vor oder hinter der Einfahrt halten koennen, aber wozu? Man ist ja schliesslich alleine auf der Welt. Ein Lieferwagen, aus Westen kommend, moechte nach links in die Einfahrt einbiegen. Das geht im moment nicht, denn da haelt ja gerade das Taxi. Aber egal, man stellt sich schonmal an und blockiert damit beide Fahrbahnen der Gegenrichtung. Die Autos von dort muessen natuerlich auf die andere Fahrbahn ausweichen (zu warten braucht man ja nicht wenn man alleine auf der Welt ist) , wo sie jetzt frontal dem aus Westen kommenden Gegenverkehr gegenueberstehen. Nichts geht mehr. Ein Wagen aus Westen kommend bemerkt das auch, aber das die anderen alle feststecken muss ja fuer einen selbst nichts heissen, man ist ja alleine auf der Welt. Also versucht er, sich links an den Hindernissen vorbeizumogeln, scheitert aber am immer noch quer auf der Gegenfahrbahn stehenden Lieferwagen – und blockiert dabei noch das Taxi, das jetzt gerne die Einfahrt wieder freigeben wuerde. Andere Fahrzeuge docken von hinten an das Fahrzeugknaeuel an (muss ja nichts heissen wenn die anderen da alle feststecken, man selbst ist alleine auf der Welt und durch fleissiges Hupen werden sich die anderen Wagen schon in Luft aufloesen).

Solche Ansammlungen koennen in der Regel nur durch massiven Polizeieinsatz wieder aufgeloest warden, von alleine geht da nichts. Das kann lange dauern. Dabei werden die einzelnen Fahrer Stueck fuer Stueck durch Anschreien und Androhung von Strafe rueckwaerts aus dem Knaeuel herausdirigiert (von selbst wuerden sie nicht auf diese Idee kommen, und eigentlich sehen sie es auch nicht ein, denn sie sind ja alleine auf der Welt und ausserdem verliert man sein Gesicht wenn man nachgibt). In die freiwerdenden Luecken des Autoknaeuels stossen dann meist andere Fahrzeuge, die gerade erst an anderer Stelle aus dem Gewuehl entfernt worden waren.

Keine Ahnung wie lange es dauert, bis die Strasse wieder frei ist. Nach einer halben Stunde sah es noch so aus wie vorher, aber am naechsten Tag war alles vorbei. Muss also irgendwie geklappt haben. Wahrscheinlich mit nochmehr Polizei und weitraeumiger Absperrung der Gegend.